Wenn es denn einen wirklichen Star in der heimischen Vogelwelt gibt, dann ist das nicht der gemeine Star – also Sturnus vulgaris -, sondern Alcedo atthis, den die Briten Kingfisher und wir den Eisvogel nennen. Kein Wunder, dass dieser attraktive Vogel auch unter heimischen Tierfotografen ganz oben auf der Wunsch- und To-do-Liste steht. Und so blieben und bleiben dem aufmerksamen Naturfotografen entlang von Eder und Odeborn und auch an so manchen kleineren Weihern angeblich „geheime“ Verstecke und Tarnhäuschen, vor denen wie zufällig ein paar Stecken und Äste aus dem Wasser ragen, nicht verborgen.
Der Eisvogel gilt in Westfalen und Wittgenstein als „weit verbreiteter Brutvogel“, der aber überall nicht gerade häufig anzutreffen ist und bei uns auch an offenen Binnengewässern überwintert. Nach Bayern und Niedersachsen weist NRW den dritthöchsten Brutbestand auf, was etwa 12% des deutschen Vorkommens entspricht (Quelle: Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens, Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft e.V., 2014). Und seine Brutpopulation ist witterungsbedingt (z.B. kalte Eiswinter) großen Schwankungen unterworfen.
Eisvögel brüten an Steilufern und Steilhängen in 50 – 90 cm langen Brutröhren über dem Wasser und ernähren sich von kleineren Fischen, Insekten und Kaulquappen.
Sie sind etwa sperlingsgroß, wirken gedrungen, sind kurzschwänzig mit kobaltblauer, oder türkiser Oberseite. Die Unterseite ist orangebraun gefärbt, und er hat abgesetzte weiße Halsseitenflecken. Das Männchen hat einen großen, braunschwarzen Schnabel, das Weibchen dagegen einen orangeroten Unterschnabel.
Jagende Eisvögel, oft geradlinig, teils „schnurrend“ über das Wasser fliegend, oder von einer Warte im Fangstoß ins Wasser tauchend, tauchen fast immer mit einem kleinen Fisch im Schabel wieder auf. Dieser Fisch wird mit einigen heftigen Kopfbewegungen auf eine harte Unterlage geschlagen, somit getötet, und anschließend, Kopf voran, verschlungen.
Ist keine Warte vorhanden, kann man sie manchmal auch im Rüttelflug über dem Wasser beobachten. Die Tauchtiefe soll bis zu einem Meter betragen. Im Abflug ist häufig ein gedehntes „Tjiii“ oder ein raues „Khrit-rit-rit“ zu vernehmen. Wenn sie die Jungvögel füttern, klingt das eher nach „Gred-gred“.
Bei so viel gefiederter „königlicher Anmut“ eigentlich schon eine gewisse „Naturfotografen-Logik“, dass eben jene Leute, die dem Eisvogel unbedingt nahe sein wollen, zu höchster Kreativität auflaufen.
Text und Fotos: Wolfram Martin
Den Begriff oder die Bezeichnung „Albino“ kennt (fast) jedes Kind und der ein oder andere hat im Leben schon einmal ein Albino gesehen. Diese Tiere mit reinweißem Fell oder Gefieder, den roten Augen und bei Vögeln mit dem hellen, gar hell-fleischfarbenem Schnabel, leiden an einem Gendefekt, weil Farbstoffzellen zwar vorhanden sind, sie aber keinen Farbstoff bilden (können).
Wenn insbesondere bei Vögeln nur bestimmte Partien im Gefieder hell oder weiß erscheinen, sprechen sogar manche Ornithologen von „Teil-Albinos“. Was aber verkehrt ist, denn hier handelt es sich um eine „leuzistische Variation“, denn die Augen und der Schnabel sind in der Regel normal gefärbt.
Leuzismus kommt in der Vogelwelt häufiger vor – oder aber er wird dort eher erkannt als bei Tieren mit Fell und Haaren.
Ein Albino bleibt ein Leben lang ein Albino und verändert sein Äußeres nicht. Anders beim Leuzismus, durch Fellwechsel oder Mauser kann sich sein Äußeres von Jahr zu Jahr ändern, eine leuzistische Amsel also kann von Jahr zu Jahr etwas anders aussehen.
Text und Foto: Wolfram Martin

Das charakteristische „Meckern“ oder „Wummern“ an lauen Frühlingsabenden galt vielen Naturfreunden und Jägern in Wittgenstein als „das romantische Frühlingserlebnis“ schlechthin. Inzwischen scheint dies weitgehend verstummt. Die Rede ist von einem der ehemals interessantesten Vogel unsere Region: Der Bekassine.
Dieser nur 27cm großer Schnepfenvogel mit dem auffallend langen Schnabel gilt in Westfalen als „vom Aussterben bedroht“, hat somit keine Jagdzeit und bevorzugt(e) im gesamten Rothaargebirge als Lebensraum Hochmoore, offene Feucht- und Quellgebiete sowie Nasswiesen. Vor etlichen Jahren noch war ihr meckerndes Balzspiel in Sassenhausen, im Seifen (seifig = moorig) und am Langen Zaun, sowie in Weidenhausen, Stünzel, aber auch in Elberndorf (Erndtebrück), Röspe, Benfe und „in der Österze“ (Berleburg) zu vernehmen und unter heimischen Ornithologen galt sie als „regelmäßiger Brut- und Jahresvogel“ mit über fünfzehn bekannten Brutplätzen allein in Wittgenstein. Inzwischen gilt sie in Westfalen „als nahezu ausgestorben“, da durch Lebensraumzerstörung der Bestand in den letzten 20, 30 Jahren dramatisch zurückgegangen ist und in Wittgenstein wird sie nur noch als „Durchzügler“ geführt.
Ihr deutscher Name Bekassine wurde aus dem Französischem (bécassine) übernommen. In der Jägersprache und mundartlich heißt sie aufgrund ihrer meckernden Balzlaute auch Himmelsziege, Himmelsgeiß oder Meckervogel. Früher waren auch Riet- oder Riedschnepfe gebräuchlich. Im Jahr 2013 wurde sie zum „Vogel des Jahres“ gekürt.

Vom Boden auffliegende Bekassinen geben
während ihres rasanten und überaus schnellen Zickzack-Fluges häufig ein heiseres, rauhes, oftmals aneinandergereihtes Ääätsch von sich. Der eigentliche Gesang ist vor allem während der
beginnenden Brutzeit zu hören. Er wird von beiden Geschlechtern von einer Warte aus im Flug ausgesandt und besteht aus langen, rhythmischen Rufreihen von zweisilbigen, recht variablen Lauten, die
als tick-er oder diep-pe umschrieben werden können. Bei dem sogenannten „Meckern“, das während der Balzflüge vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung zu hören ist, handelt es
sich um einen Instrumentallaut der durch die speziell versteiften, äußeren Steuerfedern erzeugt wird. Das balzende Männchen, seltener auch das Weibchen, läßt sich aus größerer Flughöhe im
Steilflug herabfallen, wobei die abgespreizten äußeren Steuerfedern im Luftstrom vibrieren und ein summendes Geräusch erzeugen. Das Tremolo wird dadurch erzeugt, dass der Luftstrom in schnellen
Abständen von den ebenfalls abgespreizten Flügeln unterbrochen wird. Da der Vogel im Hinabgleiten immer schneller wird, steigt auch die Lautstärke etwas an. Fast alle damaligen Wittgensteiner Brutplätze lagen in Feuchtwiesen mit nicht allzu hoher Vegetation. Typisch waren Wechsel von trockeneren „Bulten“, die gerne als
Neststandorte genutzt wurden, und nassen, oft durch Viehtritt geschaffenen Stellen, in denen das Wasser häufig und auch über längere Zeit von 20 bis 20 Zentimeter hoch stand. Außer zur Paarungs-
und Brutzeit halten sich Bekassinen gerne in Flachwasserzonen von Sumpfgebieten (wie z.B. in Röspe), an Flüssen oder Bächen, in Überschwemmungsgebieten und in Hochmooren (so es denn noch welche
gibt) auf.

Obwohl in den letzten Jahren und Jahrzehnten im Wittgensteiner Bergland hinsichtlich der Anlage, Erneuerung und Unterhaltung von Sumpf- und Feuchtgebieten dankenswerterweise einiges getan wurde – explizit muß hier beispielgebend die Berleburger Rentkammer genannt werden - scheinen ehemalige oder geeignet erscheinende Bekassinen-Brutbiotope nicht mehr besiedelt zu werden. Möglicherweise liegt es daran, dass die Reproduktionsrate dieser Art bereits so niedrig ist, dass neue oder ehemalige Brutbiotope nicht mehr besetzt werden können. Hier und da werden zwar noch immer Bekassinen-Beobachtungen gemeldet und ihr Balz-Meckern immer mal wieder vernommen, doch gehen Fachleute davon aus, dass dies Einzelbeobachtungen und keine Brutnachweise sind. Dennoch hoffen viele heimische (zweckoptimistische) Vogelfreunde, dass durch einige Feucht- und Quellgebiete in unseren Wäldern der „Vogel mit dem langen Gesicht“ eines Tages wieder als Brutvogel geführt werden kann.
Text und Fotos: Wolfram Martin

Zum Nabu-Aufruf „Stunde der Wintervögel“, in dem alle Teilnehmer zur Beobachtung ihrer Gartenvögel im Winter aufgerufen waren, hat es der Kleiber, ein hübscher Vogel mit orangefarbenen Flanken und einer blaugrauen Oberseite, vor Jahren nur auf Platz 11 gebracht. Was uns hier in Wittgenstein verwundern muß, denn der Kleiber - lat. Sitta europaea - ist im Rothaargebirge ein häufiger, fast allgegenwärtiger Wald- und besonders im Winter auch Gartenvogel, der darüber hinaus auch gerne unsere Wintervogelfutterhäuschen aufsucht. Sein Bestand in Westfalen und insbesondere im Rothaargebirge hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich vergrößert.
Er ist ein lebhafter Vogel, der Laub-, Misch- und Nadelwälder sowie Parks und Obstgärten bewohnt und alte Bäume liebt, an denen er nach Nahrung suchen kann. Reine Fichtenforste mag er aufgrund des Fehlens alter Bäume nicht so gerne. Insbesondere im Bad Berleburger Schloßpark aber auch in Berghäuser Gärten ist er das ganze Jahr über zu beobachten - und vor allem zu hören. Denn er ist ein überaus lautfreudiger Geselle, dessen metallisches „Tuit-tuit-tuit…“ besonders in Erregung oft und weithin zu hören ist. Auch sein Reviergesang, ein lautes, pfeifendes „Wihe-wihe-wihe“, mit einem trillernden „Trürrr“, welches nicht nur im frühen Frühjahr durch Wälder und Parks klingt, ist unverkennbar und kündigt die bevorstehende Paarungszeit an, bei der es schon im zeitigen Frühjahr, wenn die Knospen der Buchen noch sprießen, auch nicht immer gerade leise zugeht.
Kleiber ernähren sich von Insekten, Larven, Puppen und Spinnen, die sie geschickt in der rissigen und borkigen Rinde alter Bäume suchen. Im Winter nehmen sie, wie andere Singvögel auch, gerne Körner und Sämereien auf. Wobei Kleiber, ähnlich wie Tannenhäher auch, Nüsse geschickt in Vertiefungen klemmen und diese dann mittels ihres vergleichsweise kräftigen Schnabels zertrümmern können.
Die sprichwörtliche Kleiber-Geschicklichkeit rührt daher, dass er als einziger Vogel Mitteleuropas mit dem Kopf voran (kopfunter) am Baumstamm hinabklettern kann.
Kleiber sind Höhlenbrüter und benutzen natürliche Baumhöhlen, nehmen aber auch gerne Nistkästen an. Sollten die Bruthöhlenöffnungen für diesen bis zu 14 Zentimeter „kleinen“ Vogel für ihn einmal zu groß erscheinen, ist es auch kein Problem, denn er ist in der Lage, diese einfach passend zuzumauern.
Vermenschlichend betrachtet könnte man den Kleiber als geschickten, kontaktfreudigen, kommunikationsfreundlichen Zimmerer- und Maurergesellen beschreiben, dem es nicht nur aufgrund seines schieferblaugrauen Obergefieders bei uns in Wittgenstein ausnehmend gut gefällt.

Text und Fotos: Wolfram Martin
Da staunt der Laie und der Kleingartenbesitzer wundert sich, wenn plötzlich und völlig unerwartet im Mini-Gartenteich eine über einen Meter lange Schlange schwimmt. Anhand der weißen und manchmal auch gelben „Halbmonde“ im Nacken des Tieres unzweifelhaft sofort als heimische Ringelnatter zu erkennen. Mal schlängelt sie sich „Kopf draußen“ mit gespaltener Zunge geradezu anmutig-ballettös an der Oberfläche durchs Nass, dann wiederum taucht sie ab und fegt „jagd-schlängelnd“ durchs Wasser – um dann von Zeit zu Zeit mit einem Molch im Maul wieder aufzutauchen. Mit dem schwimmt sie ins Schilf oder ans Ufer, denn anscheinend kann sie derart Beutetiere nicht im Wasser töten und verschlingen. Ja, bei aller tierischen Grazie darf man nicht vergessen, dass es sich bei dieser Schlange auch um ein „fleischfressendes Monster“ handelt, das aber für Menschen völlig ungefährlich, ja geradezu harmlos ist.
Die Ringelnatter liebt es feucht und nass und kommt vorzugsweise an stehenden oder fließenden Gewässern vor. Doch wie und warum taucht sie hier in Berghausen mitten im Wohngebiet auf und wo ist sie dann nach etwa 14 Tagen wieder hin? Denn weitere Seen, Weiher, Bäche oder Flüsse sind weit weg. Bei aller tierisch-schönen und aufregenden Begegnung bleiben etliche Fragen offen: Woher kommt sie; wo ist sie hin; kann sie überhaupt in einem Wohnviertel überleben? Wie groß ist der natürliche Lebensraum einer Ringelnatter?
Die Ringelnatter – lateinisch Natrix natrix – kann bis zu zwei Meter lang werden, meistens werden aber kürze Exemplare gesichtet. Die Pupille des lidlosen Auges ist rund; die gespaltene Zunge, die ständig ein- und ausgefahren wird, dient der Orientierung; die weiblichen Tiere legen im Juni/Juli an warmen Orten an die 10 bis 40 Eier, aus denen nach zwei Monaten die Jungen schlüpfen. Ringelnattern ernähren sich von Lurchen, Molchen, Kaulquappen, Fröschen und kleineren Fischen.
Wie alle Reptilien verfallen sie bei entsprechenden Minusgraden in die Winterstarre, aus der sie dann im Frühjahr erwachen, um ausgiebige Sonnenbäder zu nehmen.
Diese Schlange konnte ich völlig ungetarnt, sitzend, aus zwei bis drei Meter Entfernung fotografieren.
Text und Fotos: Wolfram Martin
Diese hübsche und markante „Wurz“ zieht zur Blütezeit zahlreiche Insekten an und sollte in Wittgenstein besonders geschützt werden.
Der Wiesen- oder Schlangenknöterich, in Wittgenstein laut Belz, Fasel, Peter (Die Farn- und Blütenpflanzen Wittgensteins, 1992) auch „Schlebbe“ genannt und lateinisch Polygonum bistorta bezeichnet, gedeiht bei uns auf feuchten Wiesen, in lichten Auwäldern und auf Grünlandflächen bevorzugt an Böschungen. Früher noch recht häufig und auf feuchten Wiesen in ausgedehnten Beständen, heute eher selten bis vereinzelt vorkommend, steht er schon seit langem in NRW auf der Vorwarnliste der gefährdeten Roten Arten.
Der braune, walzenförmige Wurzelstock ist schlangenförmig gebogen, daher auch der deutsche Name Schlangenknöterich oder Schlangenwurz. Der Wurzelstock wird – oder wurde? – wegen seines ungewöhnlich hohen Gerbstoffgehalts in der Heilkunde verwendet.
Die Blätter dieser Pflanze sind länglich, schmal eiförmig oder lanzettlich und an der Oberseite dunkelgrün, an der Unterseite blaugrün gefärbt. Getrocknet zerfallen die Blätter schnell zu Pulver. In manchen Landschaften – so auch in Wittgenstein – werden diese Blätter frisch geerntet zu Salat oder Gemüse verarbeitet.
Der Schlangenknöterich mit seiner roten, hübschen Blütenähre erreicht eine Höhe bis zu 80 cm, blüht bei uns von Juni bis August und zieht dann zahlreiche Insekten an.
Text und Fotos: Wolfram Martin

Leuchtend gelbe Kahlschläge auf Böschungen und Brachflächen kündigten früher zu Anfang bis Mitte Juni den Wittgensteiner Sommer an. Die Ginsterblüte war es, die auch dem größten Wetter- und Klimapessimisten im Ländchen klarmachte, dass es nun Sommer zu sein habe. Gelb und Grün waren (und sind) die Farben des Wittgensteiner Frühsommers.
Heuer, also im Jahre 2025, nach sonnigem und trockenem April, blüht es allenthalben und insbesondere auf den Borkenkäfer- und Windkraft-vorbereitungskahlschlägen ginstergelb. Die Ginsterblüte ist in vollem Gange – drei bis vier Wochen früher als das durchschnittliche „Wittgensteiner Mittel“.
Der Ginster, genauer der Besenginster – Sarothamnus scoparius – ist eine sogenannte Pionierpflanze, die lichte Laubwälder, Böschungen, Wegränder und Kahlflächen liebt und dort weit verzweigte Rutensträucher mit leuchtend gelben Blüten hervorbringt. Diese Rutenbildung war es auch, die die Landbevölkerung dazu brachte, aus den Strauchruten Besen herzustellen, und dies wiederum gab der buschigen Strauchpflanze den deutschen Namen. Die gelben Blüten werden durch Insekten bestäubt – was auch das Herz des Imkers höher schlagen läßt - und daraus erwachsen in der Regel von August bis Oktober/November flache, bewimperte Hülsen mit den darin enthaltenen Früchten. Auf zusagenden Standorten kann sich der Besenginster schnell vermehren, innerhalb kürzester Zeit schier undurchdringliche Dickungen bilden, die nicht selten Tieren wie Fuchs, Dachs, Reh und Wildschwein sicheren Unterschlupf gewähren und zu Zeiten der Blüte das heimische Landschaftsbild prägen. So sehr das blühende Gelb sowohl Landschaftsästheten, Wanderer, Bienenfreunde und Naturfotografen gleichermaßen auch erfreuen mag, so ist diese flächige Buschbildung manchem Waldbauer ein Dorn im Auge, denn nicht selten überwuchern und überwachsen diese dichten Sträucher andere Nutz- und sonstige angepflanzte Bäumchen und hindern sie am entsprechenden Wachstum. Es ist halt doch nicht alles Gold was gelb daherkommt…
Text und Fotos: Wolfram Martin
Der viel zu milde, geradezu frühlingshafte Januar bringt auch das Liebesleben so mancher Vögel durcheinander. So hallt bereits das Balzklopfen der Schwarzspechte durch Wittgensteins Wälder und das rucksende, dumpfe Gurren des Ringeltäubers verrät die Balz der bei uns heimischen und häufigen Ringeltaube.
Der markante weiße Flügelbug, der besonders im Fluge gut zu erkennen ist und der ebenfalls weiße, ringförmige Halsfleck gaben dieser größten und häufigsten Wildtaube Europas ihren Namen. Auch mundartlich deutet alles auf diese Merkmale hin: In Wittgensteiner Mundart heißt sie Rängeldöwwe, im Westfälischen nennt man sie Ringeldüwe und im westlichen Ruhrgebiet Rengeldauf oder Rengeldauwe. Der biologisch-lateinische Name ist Columba palumbus.
Beim durchaus beeindruckenden Balzflug fliegt der männliche Vogel steil in die Höhe, klatscht dann laut und weithin hörbar mit den Schwingen und segelt daraufhin mit ausgebreiteten Flügeln abwärts. Häufig verneigt sich das balzende Männchen vor dem Weibchen, schnäbelt mit ihm, füttert es aus dem Kropf und turtelt recht verliebt um die Angebetete herum. Auf Bäumen und in höheren Büschen baut die Ringeltaube – wie fast alle anderen Taubenarten (außer der Hohltaube) auch – ein eher schlampiges und häufig sogar durchsichtiges Nest, in dem beide Partner die in der Regel zwei reinweißen Eier 16 bis 18 Tage lang bebrüten. Die Jungvögel verlassen nach etwa vier Wochen das Nest und sind mit fünf Wochen voll flugfähig. Ringeltauben brüten zwei- bis dreimal pro Jahr.
Im Hebst und Frühjahr bilden Ringeltauben manchmal sehr große Schwärme von bis zu mehreren tausend Exemplaren, die besonders in Gemüseanbaugebieten des Münsterlandes zu erheblichen Schäden führen können. Auch hier in Wittgenstein sind schon Schwärme bis zu 150 Tieren beobachtet worden.
Ringeltauben dürfen in Nordrhein-Westfalen vom 1.11. bis 20.02. bejagt werden und in NRW werden ziemlich regelmäßig pro Jahr an die 159.000 Tiere erlegt. Dies geschieht nicht nur zur Schadenabwehr in der Landwirtschaft, sondern darüber hinaus stellen Taubenbrüstchen eine äußerst leckere, gesunde und schließlich bodenständige Köstlichkeit dar.

Info-Kasten
Neben der bei uns häufigsten Ringeltaube kommen in Wittgenstein weiterhin vor: Die überwiegend im Wald lebende Hohltaube; die in letzter Zeit immer häufigere Türkentaube; und als rarer Durchzügler die wärmeliebende Turteltaube.
Text und Fotos: Wolfram Martin

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte 2011 zum „Internationalen Jahr der Wälder“ ausgerufen. Dies haben wir in verschiedenen Medien redaktionell aufgearbeitet – so jetzt auch hier. Dabei steht uns nicht so sehr das Anliegen des Waldbesitzers oder Försters im Sinn, sondern mit diesem Beitrag in unserer Flora-Fauna-Serie wollen wir auch den Blick schärfen und die Sensibilität erhöhen mit dem Ziel, sowohl „die kleinen Dinge des Waldes“ als auch die großen Themen des Holzes und der Pflanzen in einen persönlichen, durchaus subjektiven Zusammenhang zu sehen.
Hier eine Pflanze, die im Norden unseres Landes selten, im Süden häufig und in Wittgenstein nicht überall vorkommt: dem Bärlauch.
Gerade jetzt, da das Laub der Buchen noch nicht ausgeschlagen, bedecken die satt-grünen Blätter des Bärlauchs den Boden an manchen Stellen völlig, ja, der Wald ist erfüllt mit Knoblauchduft. Und diese Knoblauchähnlichkeit gab dem Bär- oder Bärenlauch auch seine weiteren, oft mundartlichen Namen: Knoblauchspinat, Waldknoblauch, Hexenzwiebel, Zigeunerlauch oder Waldherre.
Bärlauch bevorzugt sehr nährstoffreiche und besonders im Frühling auch etwas sickerfreudige Böden und man findet ihn deshalb bei uns in Wittgenstein nur in lichten, oft „schluchtigen“ Buchenbeständen. Im zeitigen Frühjahr treibt er zunächst seine Blätter, später dann die weißen, doldigen Blüten aus – doch mit Schließung der Laubkrone ist der ganze Bärlauchzauber auch schon wieder vorbei. Diese Zwiebelpflanze, die nicht wie beim Knoblauch aus einer Zehe, sondern nur aus den beiden Grundteilen der beiden Laubblätter besteht, vermehrt sich durch von Ameisen verschleppten Samen.
Früher galt Bärlauch nicht nur als ein altbekanntes und geschätztes Gemüse, sondern war insbesondere auch als Gewürz- oder Heilpflanze in fast allen Haushalten zu finden. Dann geriet der „Ersatzknoblauch“ in Vergessenheit, um heute eine wahre Renaissance zu erleben: Als Gewürz zu Saucen und Suppen, aber auch als Salat oder Pesto und Beilage zu Wildgerichten aller Art. Der Eindruck mag täuschen, doch uns fällt auf, daß Bärlauch in Wittgenstein unter den Einheimischen wenig, bei den „Zugelöfenen“ anscheinend hohe Wertschätzung genießt.
Die jungen Blätter des Bärlauchs können mit denen der Maiglöckchen (Vorsicht: giftig!) verwechselt werden.
Bärlauch steht zwar nicht unter Naturschutz, doch ist das Sammeln innerhalb von Naturschutzgebieten grundsätzlich nicht gestattet, wie auch das gewerbsmäßige „Ernten“ einer behördlichen Genehmigung bedarf. Das Sammeln für den Eigenbedarf ist gestattet, doch sollte man als behutsam vorgehender Waldbesucher immer nur ein Blatt pro Pflanze ernten und auf gar keinen Fall die Zwiebel ausgraben.
Da im April oder Anfang Mai sowohl junge Wildschweine als auch Rehböcke geschossen werden dürfen, freuen sich Wildgourmets jetzt schon auf „Rehmedaillons mit Bärlauchsauce“ oder „Wildschweinrücken in Bärlauchkruste“.
Text und Foto: Wolfram Martin


„Schneeglöckchen, weiß Röckchen…“ ist man geneigt zu singen, wenn man die hübschen, weißen Blümchen sich durch den Schnee kämpfen sieht. Genau wie die Märzenbecher – über die wir ja hier schon berichtet haben – gehören die Schneeglöckchen – lat. Galanthus nivalis – zu den absoluten Frühblühern und kündigen so den nahen Frühling an. Bei uns in Wittgenstein blühen die Schneeglöckchen von Februar bis April und wachsen in Laubmischwäldern auf nährstoffreichen Böden, aber auch in so manchen, leicht verwilderten Gärten.
Diese hübschen Frühblüher haben nur zwei blaugrün bereifte Blätter, die inneren Blätter in den Blüten sind deutlich kürzer als die äußeren und an der Spitze grün.
So mancher Hobby-Poet und „Dichterfürst“ hat sich schon den Schneeglöckchen gewidmet, so auch unsere bekannte Wittgensteiner Dichterin Frieda Claudy (1880-1946) und so endet ihr Gedicht über das Schneeglöckchen:
… Du zierlich‘ Blümlein, lieblich, zart und fein,
Dein holder Anblick Aug‘ und Herz entzückt,
Schneeglöckchen, läute du den Frühling ein.
Text und Fotos: Wolfram Martin

Seit Anfang Januar 2025 ist bei uns im Garten ein Vogel zu Gast, den es eigentlich um diese Zeit bei uns gar nicht geben dürfte: Die Ringdrossel (lat.Turdus torquatus). Gemäß älterer heimischer Fachliteratur wird dieser Vogel als „regelmäßiger Durchzügler“ geführt. Laut überregionaler Fachliteratur bewohnt die Ringdrossel höhere Gebirge wie z.B. die Alpen, die Vogesen, den Schwarzwald, den Bayerischen Wald und den Böhmerwald. Das Rothaargebirge wird nicht erwähnt. Und sie soll im Mittelmeerraum und im Iran überwintern. Somit beziehen sich die meisten heimischen Beobachtungsmeldungen auf den Spätherbst und das zeitige Frühjahr. Erhebt sich die Frage: Aus welchem der erwähnten Brut- und Vorkommensgebiete stammt dieser Vogel und warum hält er sich bei uns im Garten auf anstatt – wie erwähnt – im Mittelmeerraum zu überwintern?
Laut „Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens“ (Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft e.V. von 2014) ist die Ringdrossel „kein sicherer Brutvogel“. Im Jahr 2009 gab es einen Brutverdacht im Hochsauerlandkreis. In Hessen gilt dieser Vogel als ausgestorben; und die nächsten Brutvorkommen soll es im Harz und in den Ardennen geben. Der erste und direkte Brutnachweis für NRW geht auf das Jahr 1993 zurück und bezieht sich auf das Gebiet um Altastenberg.

Möglicherweise – aber dies ist nur ein persönlicher Verdacht – handelt es sich bei diesem Vogel in unserem Garten um einen Brutvogel aus dem Hochsauerland, der in tieferen Lagen des Rothaargebietes überwintert. Auf alle Fälle sollte man diese unbewiesene Annahme ernsthaft untersuchen und im Auge haben.
Die Ringdrossel ähnelt etwa der Amsel, hat aber auf der Brust einen weißen, halbmondartigen Fleck, der beim Männchen hell und scharf abgegrenzt ist, beim Weibchen hingegen etwas blasser und verschwommen wirkt. Bei Erregung ruft die Ringdrossel hart „teckteckteck“ was sich eher metallen gegenüber den Erregungsrufen der Amsel anhört.
Die Ringdrossel ernährt sich vor allem von Würmern, Insekten, Spinnen und Beeren. Bei uns im Garten führt sich dieser Vogel sehr dominant auf und verjagt die zahlreichen Amseln fast schon aggressiv. Und er scheint leicht weiche oder angefaulte Apfelreste besonders zu mögen.
Text und Fotos: Wolfram Martin

Dem musikalisch oder akustisch Kundigen verrät ein zartes, zirpendes, manchmal schnurrendes Zwitschern im Nadelwald die Anwesenheit eines kleinen, unscheinbaren, unauffällig gefärbten, aber dennoch hübsch-aparten Vogels. Die Haubenmeise. Mit 10,5 bis 12 Zentimeter Körperlänge ist die Haubenmeise eine unserer kleineren Meise.
Obwohl sie nur wenige Farben im Gefieder aufzuweisen hat, ist sie aber von der Musterung und der Gestalt her eine ausnehmend hübsche Erscheinung. Besonders die schwarz und weiß geschuppte dreieckige Federhaube – die dem Vogel ihren Namen gab – ist unverkennbar, insbesondere auch deshalb, weil sie immer sichtbar ist, aber verschieden hoch aufgerichtet werden kann.
Im Vergleich zu den anderen Meisenarten hat die kleine Haubenmeise eher wenig an musikalischem Repertoire zu bieten, denn sie kennt eigentlich nur zwei Motive: Ein leises, hohes „Ziih“, gefolgt von einem halblautem, trillerndem „Gürrr“ oder „Girrr“. Bei Erregung oder Gefahr ist auch schon mal ein lautes „Zigürrr gürrrr…“ zu hören.
Haubenmeisen gelten in Westfalen als „nicht gefährdet“ und „weit verbreitet“, sind aber überwiegend in Nadelwäldern häufig anzutreffen, wobei ihr Vorkommen nicht so strikt an Fichtenwälder gebunden ist, wie das ihrer Schwester, der Tannenmeise. Bei uns im Rothaargebirge und Wittgenstein gilt sie als typischer Vertreter des Fichtenwaldes.

Ihr Nest baut die Haubenmeise – die der Lateiner Parus cristatus nennt – sowohl in natürlichen als auch künstlichen Nisthöhlen und darüber hinaus zimmert sie sich gelegentlich schon mal eine eigene Höhle an vor allem alten, morschen Bäumen und polstert dieses mit Wolle, Halmen, Bast und Federn aus. Das Fehlen von natürlichen Bruthöhlen, beziehungsweise der Mangel an alten, morschen Bäumen hat unmittelbar Einfluß auf die Bestandsdichte dieser Vögel. Mit einem Trick soll man die Haubenmeisen dazu bringen (können), einen künstlichen Nistkasten zu beziehen, indem man den Kasten mit weicherem Holzmaterial füllt, so dass ihnen das Zimmern anscheinend leichter fällt.
Haubenmeisen brüten sehr zeitig im Frühjahr, nicht selten ein bis zwei Wochen vor allen anderen Meisenarten. Die Eier sind auf weißlichem Grund rötlichbraun gefleckt und die Jungvögel werden von beiden Elternteilen mit Insekten in allen Entwicklungsstadien und Spinnen gefüttert.
Zur Spätherbst- und Winterzeit suchen auch die Wittgensteiner Haubenmeisen gerne Gärten und Friedhöfe auf und lassen sich auch hin und wieder am Futterhaus sehen, wo sie aber ganz augenfällig im anwesenden Meisen-, Spatzen- und Finkenvolk eine eher zurückhaltende oder untergeordnete Rolle einnehmen.
Infokasten
Heimische Meisen
Neben den Haubenmeisen kommen in unseren Wäldern noch die Blau- und Kohlmeisen, die Sumpf- und Weidenmeisen, sowie die Tannen- und Schwanzmeisen vor. Beutel- und Bartmeisen bevorzugen andere Lebensräume und sind bei uns – wenn überhaupt – nur als seltene Durchzügler zu sehen.
Text und Fotos: Wolfram Martin
Text und Fotos: Wolfram Martin