Berghäuser Flora und Fauna

2026

Mai: Einfach faszinierend -  Die Wildkatze

Wildkatzen-Portrait.
Wildkatzen-Portrait.

Die WDR-Lokalzeit berichtete am 29. 01 26 über die Wildkatzen in NRW und betonten, dass die Wildkatzenpopulation in NRW gewachsen sei und hoben hervor, dass inzwischen der Arnsberger Wald als „Wildkatzenparadies“ bezeichnet werden kann. Sie unterlegten diese Behauptung mit zahlreichen Schwarz-weiß-Fotos mittels Wildkameras. Und am 28. 4. 26 berichtete derselbe Sender nochmals über Wildkatzen und zeigte auf, dass auch das Ebbe- und Eggegebirge inzwischen als „Wildkatzen-Gebiet“ anerkannt werden. Diese Behauptungen decken sich auch mit meinen Beobachtungen und die Biologische Station Siegen-Wittgenstein bestätigt, dass auch im Rothaargebirge die Wildkatzen zugenommen haben.

Vor dem Hintergrund einer möglichen Novellierung des Jagdgesetzes in Nordrhein-Westfalen erlangt das Für und Wider um „den Abschuß wildernder Hauskatzen“ einen neuen Schub – und leider auch eine völlig unqualifizierte Diskussionsebene, sowohl von Seiten der „offiziellen“ Jägerschaft, als auch aus dem Lager der Katzenhalter und –liebhaber.

 

Die Jägerschaft begründet ihr immer noch legitimes Recht auf „Abschuß wildernder Hauskatzen“ mit der Verpflichtung, etwas für die Artenvielfalt in Feld und Flur, insbesondere für bodenbrütende Kleinvögel und Niederwild (z.B. Hase, Kaninchen, Fasan, Rebhuhn) tun zu müssen. Vergessen – oder unterschlagen? – wird dabei, dass die Verluste durch intensive Landwirtschaft bei diesen Tierarten um ein Vielfaches höher liegen, als die Verluste durch Katzen oder Füchse. 

In Wittgenstein und im Rothaargebirge allgemein greifen diese Argumente ohnehin nur bedingt, da „die Hege des Niederwildes“ bei uns im rauhen Mittelgebirge kein Schwerpunktthema darstellt und somit auch die Diskussion um den „Abschuß von Hauskatzen, die sich der Einwirkung ihres Besitzers entzogen haben“ nicht derart emotional geführt wird wie z.B. im Münsterland.

 

Umgekehrt nehmen die Besitzer und Liebhaber von Hauskatzen für sich in Anspruch, ihren Lieblingen räumlich und zeitlich unbegrenzten Frei- und Beutegang bieten zu müssen mit dem Hinweis: „Das ist halt Natur…“ Nein! Im Gegensatz zu Haus- und verwilderter Hauskatze jagt die „echte“ Wildkatze nämlich, um ihren und ihrer Jungen Hunger zu stillen, während die zahlreichen „jagenden“ Hauskatzen ihre Beute in Form von Mäusen, Kleinvögeln, Libellen, Schmetterlingen, Großkäfern, Lurchen, Eidechsen, Blindschleichen ganz überwiegend nur verletzen oder töten – um sie dann im Garten liegen zu lassen oder ihren Besitzern stolz vor die Füße zu werfen. Den meisten Schaden richten Hauskatzen in dörflichen Gärten und nicht im Wald an. 

Sieht „sooo süß“ aus wie eine Schmusekatze, ist aber eine „echte“ Wildkatze aus Wittgenstein (aufgenommen am 26. 07. 2014 zwischen Brandwald und Kleine Hohlscheid).
Sieht „sooo süß“ aus wie eine Schmusekatze, ist aber eine „echte“ Wildkatze aus Wittgenstein (aufgenommen am 26. 07. 2014 zwischen Brandwald und Kleine Hohlscheid).

Die „Europäische Wildkatze“ ist kein Rückkehrer (wie Wolf, Luchs oder Wisent) im eigentlichen Sinne, sondern sie hat die europäischen Wälder seit jeher, mal mehr oder weniger dicht bewohnt. Obwohl sie sich mit Hauskatzen paaren kann, stammen unsere Hauskatzen nicht von der Europäischen Wildkatze sondern von der nordafrikanischen (ägyptischen) Falbkatze ab. Unsere Wildkatzen sind in der Regel etwas größer, kräftiger und muskulöser als die meisten Hauskatzen, erreichen bei einer Körperlänge von 50 bis 80 Zentimeter ein Gewicht von 5 bis 11 Kilogramm. Das Fell gleicht dem einer gestreiften Hauskatze mit dunklerem Aalstrich auf dem Rücken, ist jedoch etwas länger und weicher, hat schwarze oder graue Streifen und einen buschigen, stumpf endenden Schwanz, der drei bis fünf dunkle Ringe aufweist. Anhand äußerlicher Merkmale ist die wildfarbene Haus- von der „echten“ Wildkatze auch für versierte Beobachter nur schwer zu unterscheiden.

Die scheue, zurückgezogene und äußert heimlich lebende Wildkatze liebt urwüchsige, naturnahe aber eher lichte Wälder. Experten schätzen, dass es in Deutschland inzwischen mehr als 5000 Wildkatzen gibt, die sich im wesentlichen auf folgende Hauptverbreitungsregionen verteilen: Pfälzer Wald mit Eifel und Hunsrück; das Gebiet um Solling, Reinhardswald; Harz; den Nationalpark Hainich sowie Thüringer Wald und Rothaargebirge mit Arnsberger Wald und Ebbegebirge.

 

Das Rothaargebirge mit Wittgenstein, Siegerland und Hessischem Bergland gilt unter Wildkatzenexperten inzwischen als „Vorkommens-“ und wichtiges „Wildkatzen-Übergangsgebiet“. Da die Wildkatze als typischer Waldbewohner den Wald so gut wie nie verläßt und wenn, dann selten einmal mehr als 200 Meter, bestehen zwischen den meisten Wildkatzengebieten keine Verbindungen, denn als solche kommen nur Waldgebiete infrage. Hier erlangt das gesamte Rothaargebirge insofern eine wichtige Funktion, als es Wildkatzenbrücke zwischen Solling/Hessischem Bergland einerseits und Eifel/Pfälzer Wald andererseits fungiert. 

Wildkatze auf einer Talwiese zwischen zwei Waldhängen.
Wildkatze auf einer Talwiese zwischen zwei Waldhängen.

Vermehrte Wildkatzenbeobachtungen – sowohl Einzeltiere als auch ganze Würfe (Gehecke) - in letzter Zeit bei uns bestätigen, dass Wittgenstein als Lebensraum der scheuen Wildkatze zunehmend sowohl besiedelt, als auch als Verbindung zweier Vorkommensgebiete genutzt wird.

Da sich Wild- mit Hauskatzen paaren können, ist natürlich ein wesentliches Problem des Überlebens der Wildkatze, die Hybridisierung, weiterhin ungelöst: Immer weniger reine Wildkatzenbestände werden registriert und dafür eine immer größere Menge von Blendlingen, also Mischlingen aus Haus- und Wildkatze beobachtet. Was kann getan werden, um das Überleben dieses scheuen, faszinierenden Raubtieres bei uns sicherzustellen? Die Jäger sollten freiwillig auf den Abschuß verwilderter, wildfarbener Hauskatzen in Feld, Flur und insbesondere im Wald verzichten, und die zahlreichen Katzenhalter sollten ihre Lieblinge, zumindest die Freigänger unter ihnen, kastrieren lassen, damit der ungezügelten Hauskatzen-Schwemme Einhalt geboten wird. Im benachbarten Hessen ist zum Schutze der Wildkatzen sogar schon ein „Katzen-Kastrations-Mobil“ im Einsatz.

 

Ich meine: Wenn in beiden Lagern wieder der gesunde Menschenverstand einzöge, bräuchten wir keine Novellierung des Landesjagdgesetzes!

 

 

Text und Fotos: Wolfram Martin


April: Der Hase in der Jäger- und Umgangssprache

…immer auf der Flucht…
…immer auf der Flucht…

Immer zur Osterzeit ist ein Tier sowohl tatsächlich, als auch bildlich oder metaphorisch „in aller Munde“: Der Hase, genauer der Feldhase, verkleidet als Osterhase.

 

Und damit sind wir schon beim Namen: Der Hase wanderte nach der großen Eiszeit aus den asiatischen Steppen in die mitteleuropäischen Länder ein und war bereits bei den Indogermanen als kaso oder kas-n, „der Graue“ bekannt. Und nach und nach bekam der Hase mehrere teils scherzhafte Namen wie Lampe, Meister Lampe, Löffelmann, Langohr, Mümmelmann und Krummer. Den Namen Lampe erhielt er im Tierepos „Reinke de Voß“ im Jahre 1498 und Hermann Löns (1866-1914) ist für den Namen Mümmelmann verantwortlich. 

Mümmelmann
Mümmelmann

Die Jägersprache, so meinen manche noch immer, sei eine Geheimsprache der Jäger. Und tatsächlich soll in Kreisen der frühen Berufsjägerschaft diese „Geheimsprache“ geradezu gepflegt worden sein. Heute gilt unter Fachleuten die Jäger- oder Waidmannssprache als blumenreiche, bildhafte Zunftsprache. Und sie hat, wie wir noch sehen werden, wirklich einige bildhafte Ausdrücke auch zum Hasen hervorgebracht. So werden zum Beispiel die Ohren des Hasen als Löffel bezeichnet, obwohl sie mit heutigen Löffeln nichts gemein haben. So wurden früher, als sich die ersten germanischen Sprachen bildeten, flüssige Speisen aus oder von etwa 30cm langen, halbrunden Hölzern geleckt oder geschlürft. Und bereits seit mittelhochdeutscher Zeit heißen die Ohren des Hasen aufgrund ihrer löffelartigen Form Löffel. Und diese „Löffel“ haben es auch in die Umgangssprache gebracht, denn wenn einem gedroht wird „…du kriegst gleich eine hinter die Löffel“, so heißt das, dass „ich jemandem eine Ohrfeige androhe“, obwohl ja das menschliche Ohr nun wirklich nicht einem Löffel ähnlich sieht. 

Hase macht einen Kegel.
Hase macht einen Kegel.

Das Fell des Hasen heißt in der Jägersprache Balg und besteht aus Wolle. Und dieser „Balg“ in der Umgangssprache ist wieder verwirrend, denn als „Balg“ bezeichnet man einen unerzogenen, frechen Jungen. Der Stummelschwanz des Hasen ist die Blume, die Beine sind Läufe, die Augen heißen Seher. Um nicht gesehen zu werden drückt sich der Hase in der Sasse oder Furche. Und in der Umgangssprache heißt ein Mensch, der sich vor Verantwortung drückt, oder nicht wahrgenommen werden will: Drückeberger. Weiterhin sitzt der Hase, oder er macht einen Kegel, wenn er auf den Läufen steht, und er macht oder baut er ein Männchen, wenn er auf den „Zehenspitzen“ steht. Die Paarungszeit wird Rammelzeit und der männliche Hase Rammler genannt. Sogar bei Wild- und Hauskaninchen ist das männliche Tier ganz offiziell ein Rammler

Ein Drückeberger
Ein Drückeberger

Die Häsin bringt ein- bis dreimal im Jahr Junge zur Welt, die zu einem Viertel ausgewachsen Quarthase, zur Hälfte ausgewachsen Halbwüchsig, und zu drei Viertel ausgewachsen Dreiläufer bezeichnet werden.

 

Dier Hase gilt seit jeher als scheu und furchtsam und ist anscheinend immer fluchtbereit. Und auch dieses Verhalten hat Eingang in die Umgangssprache erhalten: Denn furchtsame, ängstliche Menschen werden nicht selten als Hasenfuß oder hasenfüßig bezeichnet und umschrieben. 

Deshalb „ein Krummer“
Deshalb „ein Krummer“

Der Spruch

„Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“

stammt von einem Jurastudenten, der vor dem Heidelberger Universitätsgericht an ihn gerichtete Fragen verneinte. Die Worte nahmen bald ihren Weg durch alle deutschen Universitäten und gingen von da an in den Sprachschatz des Volkes über. Aber auch andere sprichwörtliche Wendungen aus der Jägersprache gelangten ins Umgangssprachliche und erhielten dort ihren Bildhaften Charakter:

„Da liegt der Hase im Pfeffer“.

„Viele Hunde sind des Hasen Tod“.

„Wollen erst sehen, wo der Hase läuft…“

„…wissen, wo der Hase im Busch liegt“.

 

Nun ahnen Sie, woher der Hase die Ostereier nimmt…

 

 

Text und Fotos: Wolfram Martin


März: Ein wahrer Frühlingsbote: Der Krokus

Dem Naturfotografen bieten sie besonders aus der Nähe herrliche Motive
Dem Naturfotografen bieten sie besonders aus der Nähe herrliche Motive

Krokusse, genau wie Schneeglöckchen und Märzenbecher, sind für mich die Frühlingsboten schlechthin. Und da sich Krokusse in Gärten und Parks „wie wild“ vermehren, verortete ich sie in meiner floristischen Unkenntnis zu den Wildpflanzen. Erstaunt war ich in Vorbereitung dieses Beitrages, dass ich sie in keinem Bestimmungsbuch fand. Erst nach längerem Suchen fand ich sie unter „winterharten Gartenblumen“.

 

Krokusse sind mehrjährige, krautige Pflanzen der Familie der Schwertliliengewächse, die als Früh- und Herbstblüher in Gärten und Parks beliebt sind und von denen es bis zu 200 Arten geben soll. Der bei uns häufigste Krokus ist Crocus vernus, der Frühlingskrokus. 

Ein „Büschel“ rein violett.
Ein „Büschel“ rein violett.

Die seit dem 18. Jahrhundert bezeugte Bezeichnung der im Frühling blühenden Gartenpflanze ist aus dem Lateinischen crocus entlehnt. Dies stammt aus dem Griechischen krokus, was Safran bedeutet. Das Wort stammt ursprünglich wohl aus einer semitischen oder kleinasiatischen Sprache.

Krokusse sind mehrjährige Geophyten mit unterirdischen Stängelknollen, aus denen jedes Jahr neue Tochterknollen wachsen. Die Blätter sind schmal, einfach, parallelnervig und besitzen meist einen hellen Mittelnerv. Die Blüten sind zwittrig mit röhrig verwachsenen Blütenhüllblättern, die in zwei Kreisen angeordnet sind. Typische Blütenfarben sind Violett, Hellviolett, Gelb und Weiß, oft auch zweifarbig.

Besonders die frühblühenden Krokusse sind ganz wichtige Nahrungsquellen für Bienen und Hummeln, da sie eiweiß- und vitaminreiche Pollen liefern.

 

Somit sollte also jedem Gartenbesitzer daran gelegen sein, dass sich in seinem Garten Krokusse entsprechend vermehren (können). 

Weiße und violettfarbene Krokusse sind bei uns recht häufig
Weiße und violettfarbene Krokusse sind bei uns recht häufig

Text und Fotos: Wolfram Martin


Februar: Benjeshecken

Der Start (Beginn) einer Benjeshecke...
Der Start (Beginn) einer Benjeshecke...

Birkelbach

Anlaß dieses Beitrages ist eine Information der heimischen Presse vom November letzten Jahres, in dem die Birkelbacher für ihr „Projekt Benjeshecke“ sogar mit dem Klimaschutzpreis ausgezeichnet wurden. Und ein bißchen Wunschdenken meinerseits schwingt mit in der Hoffnung, dass dies auch ein Thema unserer Berghäuser „Feldgärtner“ sein könnte.

Kirchhundem-Flape

Wenn man über die Benjeshecke nachdenkt, kommt man an dem Forstbetrieb Kirchhundem-Flape nicht vorbei, denn von dort aus verbreitete sich ca. ab den 2010er Jahren die Idee der Benjeshecke auf (fast) das gesamte Rothaargebirge.

Eines der Ziele von Dieter Mennekes (1940-2020) und damit seiner Stiftung war es, „der Nachwelt schöne Wälder“ zu hinterlassen. Dies war nicht nur ein Lippenbekenntnis, denn mit Eintritt in „seinen Wald und Forstbetrieb Flape“ (120 ha Eigenjagd, mit Zupachtung von zirka 500ha) fällt auf, dass Nadelwald mit Laubholz unterbaut ist und sich weiterhin kilometerlang künstlich angelegte Hecken durch Feld und Flur ziehen. Ganz augenscheinlich hat sich Dieter Mennekes von den Ideen, Visionen, Vorstellungen und Vorschlägen des Erfinders der „Benjes-Hecke“ inspirieren lassen.

Die Benjeshecke

Es ist das große Verdienst von Hermann Benjes (1937-2007), in Deutschland seit dem Jahre 1981 eine völlig neues „Hecken-Verständnis“ hervorgerufen zu haben. Hecken stellen nicht nur äußerst artenreiche Lebensräume dar, sondern sie verbinden und vernetzen auch Lebensräume. Aus einer originellen Idee seines Bruders Heinrich entwickelte Hermann Benjes die inzwischen weltbekannte Benjes-Hecke. Laut SPIEGEL „das erfolgreichste Flurbelebungskonzept der Naturschutzgeschichte“ und mit tausenden von Kilometern Benjeshecken ein beispielloser Erfolg einer kühnen, wegweisenden Idee.

 

Das Grundprinzip der Benjeshecke sieht vor, dass auf einem vorgesehen Geländestreifen zunächst zwei Meter breite und zirka anderthalb Meter hohe Gestrüppbarrieren aus Baumschnittabfall (z.B. der Straßenmeistereien) errichtet werden, bei der zunächst etwa nur die Hälfte des zur Verfügung stehenden Gestrüpps verarbeitet wird. Danach wird entlang dieser Barriere alle anderthalb bis zwei Meter ein Pflanzloch ausgehoben und mit standortüblichen Heckensträuchern bepflanzt. Um das wertvolle Pflanzgut vor Rehwild (aber auch Kühen, Schafen oder Ziegen) zu schützen, wird anschließend eine zweite Gestrüppbarriere daneben gepackt. Beide Enden der Benjeshecke werden abschließend mit weiterem Gestrüpp ordentlich „dichtgemacht“. Durch den vom Erfinder der Hecke genannten „Plumskloeffekt“ der Vögel entwickelt sich im Lauf weniger Jahre zunächst eine Kraut-, später eine lückige, dann eine geschlossene Feld- und noch später, sofern nichts daran getan wird, eine Baumhecke. Das Ziel der Benjeshecke ist aber eine „lückige bis geschlossene Feldhecke“. Somit ist klar, dass eine in die Jahre gekommene Benjeshecke ab dem fünften, spätestens im zehnten Jahr nach dem sogenannten „Fünf-Jahrgangsstufen-Prinzip“ gepflegt, geläutert und gelichtet werden muß. Dieses Prinzip sieht vor, dass innerhalb eines Fünfjahresplanes jedes Jahr eine etwa 20 Meter breite Pflegelücke geschnitten, nie aber eine Hecke total „auf den Stock gesetzt“ wird, um den Lebensraum Hecke immerfort zu erhalten. 

…Benjeshecke im Anfangswachstum…
…Benjeshecke im Anfangswachstum…

Berghausen

 

Diese Art Hecke übt nicht nur eine geradezu magnetische Wirkung auf allerlei Insekten (Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Spinnen) aus, sondern zieht auch förmlich alle Bodenbrüter, zahlreiche Vögel vom Neuntöter über die Grasmücken und Birkenzeisige bis hin zu Igel, Wildkaninchen, Hase, Rebhuhn, Marder, Wiesel, Fuchs und Reh an. Aus diesem Grunde wäre es schön und sinnvoll, wenn auch in Berghausen in der einen oder anderen Gemarkung Benjeshecken entstehen würden… 

Eine „ausgewachsene“ Benjeshecke bietet Lebensraum und Unterschlupf für allerlei Getier: Vom Schmetterling, über Spinne, Maus, Igel, Hase, Reh und Fuchs.
Eine „ausgewachsene“ Benjeshecke bietet Lebensraum und Unterschlupf für allerlei Getier: Vom Schmetterling, über Spinne, Maus, Igel, Hase, Reh und Fuchs.

Text und Fotos: Wolfram Martin


Januar: Nabu-Vogel des Jahres 2026: Das Rebhuhn

Ein Volk Rebhühner. Foto Wolfram Martin nach einem Aquarell des Tiermalers Willi Schütz (1914-1995)
Ein Volk Rebhühner. Foto Wolfram Martin nach einem Aquarell des Tiermalers Willi Schütz (1914-1995)

 

Von Wolfram Martin

Vogel des Jahres? Rebhuhn? Manch Wittgensteiner wird sich verblüfft die Augen reiben und denken: „Noch nie gesehen…, noch nie gehört…“ Stimmt:

Das Rebhuhn ist in Wittgenstein seit vielen Jahren ausgestorben.

Im alten heimischen, ornithologischen Klassiker aus dem Jahre 1983 (Die Vogelwelt Wittgensteins von A. Belz und H. König) wird dieses hübsche Feldhuhn noch als „regelmäßiger Brutvogel“ und als „Jahresvogel“ bezeichnet, der zwar als „gefährdet“ geführt wird, aber immerhin „…im gesamten Wiesen- und Feldgelände Wittgensteins verbreitet ist“. Und in der Tat, vor ca. 30, 40 Jahren konnte man regelmäßig in Berghausen oberhalb der Kulturhalle, auf der Birkefehler Höhe oder in Sassenhausen Rebhühner sehen oder hören. Doch das hat sich leider geändert.

So schreibt der Nabu im Internet: Die Intensivierung der Landwirtschaft hat dem Rebhuhn stark zugesetzt. Neben großen Monokulturen und dem Einsatz von Pestiziden ist es vor allem der Verlust von unproduktiven oder ungenutzten Offenlandflächen, wie mehrjährigen Brachen, Blüh- und Altgrasflächen, der maßgeblich die Populationsentwicklung beeinflusst. Seit 1980 ist der  Bestand in Deutschland um 87 Prozent zurückgegangen – eine alarmierende Entwicklung.

Im Nabu-Heft der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein – Beiträge zur Tier- und Pflanzenwelt des Kreises Siegen Wittgenstein, Band 10 des Jahres 2014, taucht das Rebhuhn nicht einmal mehr auf. Traurig, traurig…

Das Reb- oder Feldhuhn, lat. Perdix perdix, ist oberseits graubraun mit gelblicher Stichellung. Kopf und Kehle sind rostbräunlich, während die restliche Unterseite bis auf einen dunklen, hufeisenförmigen Fleck am Bauch hell graubräunlich gefärbt ist. Der Hahn ruft vor allem in den Morgen- und Abendstunden schnarrend „girr-treck“. Rebhühner leben zur Brutzweit paarweise; die Paarbildung findet gegen Ende des Winters statt. Die 6 bis 25 lehmfarbenen Eier werden in eine Nestmulde gelegt und mit Halmen etwas gepolstert. Die Jungen bleiben bis zum Winter bei den Elterntieren und bilden „ein Volk“ oder „eine Kette“.

Rebhühner ernähren sich von Insekten, Spinnen, kleinen Schnecken, Würmern, Sämereien und grünen Pflanzenteilen.

 

Angesichts der Tatsache, dass dieser Vogel bundesweit stark gefährdet erscheint und gebietsweise vom Aussterben bedroht oder schon ausgestorben ist, muß die Frage erlaubt sein, warum dieser Vogel, der niemandem schadet, immer noch zum „jagdbaren Wild“ gehört und in NRW und dem Kreis Siegen-Wittgenstein auch noch bejagt wird. Laut DJV-Handbuch 2024 wurden in NRW 288 Rebhühner erlegt. Dabei wäre es für den Landesjagdverband NRW ein Leichtes und ohne bürokratische Hürden möglich, das Rebhuhn ganzjährig zu schonen oder es völlig als „jagdbares Wild“ zu streichen. 


2025

Dezember: "Königlicher Fischer": Der Eisvogel

Markant bunter „Fischer“ in der heimischen Vogelwelt
Markant bunter „Fischer“ in der heimischen Vogelwelt

Wenn es denn einen wirklichen Star in der heimischen Vogelwelt gibt, dann ist das nicht der gemeine Star – also Sturnus vulgaris -, sondern Alcedo atthis, den die Briten Kingfisher und wir den Eisvogel nennen. Kein Wunder, dass dieser attraktive Vogel auch unter heimischen Tierfotografen ganz oben auf der Wunsch- und To-do-Liste steht. Und so blieben und bleiben dem aufmerksamen Naturfotografen entlang von Eder und Odeborn und auch an so manchen kleineren Weihern angeblich „geheime“ Verstecke und Tarnhäuschen, vor denen wie zufällig ein paar Stecken und Äste aus dem Wasser ragen, nicht verborgen.

 

Der Eisvogel gilt in Westfalen und Wittgenstein als „weit verbreiteter Brutvogel“, der aber überall nicht gerade häufig anzutreffen ist und bei uns auch an offenen Binnengewässern überwintert. Nach Bayern und Niedersachsen weist NRW den dritthöchsten Brutbestand auf, was etwa 12% des deutschen Vorkommens entspricht (Quelle: Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens, Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft e.V., 2014). Und seine Brutpopulation ist witterungsbedingt (z.B. kalte Eiswinter) großen Schwankungen unterworfen. 

Eisvogel kurz vor dem Fangstoß
Eisvogel kurz vor dem Fangstoß
Eisvogel mit Fisch
Eisvogel mit Fisch

Eisvögel brüten an Steilufern und Steilhängen in 50 – 90 cm langen Brutröhren über dem Wasser und ernähren sich von kleineren Fischen, Insekten und Kaulquappen.

Sie sind etwa sperlingsgroß, wirken gedrungen, sind kurzschwänzig mit kobaltblauer, oder türkiser Oberseite. Die Unterseite ist orangebraun gefärbt, und er hat abgesetzte weiße Halsseitenflecken. Das Männchen hat einen großen, braunschwarzen Schnabel, das Weibchen dagegen einen orangeroten Unterschnabel.

Jagende Eisvögel, oft geradlinig, teils „schnurrend“ über das Wasser fliegend, oder von einer Warte im Fangstoß ins Wasser tauchend, tauchen fast immer mit einem kleinen Fisch im Schabel wieder auf. Dieser Fisch wird mit einigen heftigen Kopfbewegungen auf eine harte Unterlage geschlagen, somit getötet, und anschließend, Kopf voran, verschlungen.

Ist keine Warte vorhanden, kann man sie manchmal auch im Rüttelflug über dem Wasser beobachten. Die Tauchtiefe soll bis zu einem Meter betragen. Im Abflug ist häufig ein gedehntes „Tjiii“ oder ein raues „Khrit-rit-rit“ zu vernehmen. Wenn sie die Jungvögel füttern, klingt das eher nach „Gred-gred“.

Bei so viel gefiederter „königlicher Anmut“ eigentlich schon eine gewisse „Naturfotografen-Logik“, dass eben jene Leute, die dem Eisvogel unbedingt nahe sein wollen, zu höchster Kreativität auflaufen. 

 

Text und Fotos: Wolfram Martin

Eisvogel mit frisch gefangenem Fisch, der auf einem Ast getötet wird.
Eisvogel mit frisch gefangenem Fisch, der auf einem Ast getötet wird.

November: Albinismus und Leuzismus

Ein teilleuzistisches Amselmännchen.
Ein teilleuzistisches Amselmännchen.

Den Begriff oder die Bezeichnung „Albino“ kennt (fast) jedes Kind und der ein oder andere hat im Leben schon einmal ein Albino gesehen. Diese Tiere mit reinweißem Fell oder Gefieder, den roten Augen und bei Vögeln mit dem hellen, gar hell-fleischfarbenem Schnabel, leiden an einem Gendefekt, weil Farbstoffzellen zwar vorhanden sind, sie aber keinen Farbstoff bilden (können).

Wenn insbesondere bei Vögeln nur bestimmte Partien im Gefieder hell oder weiß erscheinen, sprechen sogar manche Ornithologen von „Teil-Albinos“. Was aber verkehrt ist, denn hier handelt es sich um eine „leuzistische Variation“, denn die Augen und der Schnabel sind in der Regel normal gefärbt.

Leuzismus kommt in der Vogelwelt häufiger vor – oder aber er wird dort eher erkannt als bei Tieren mit Fell und Haaren.

Ein Albino bleibt ein Leben lang ein Albino und verändert sein Äußeres nicht. Anders beim Leuzismus, durch Fellwechsel oder Mauser kann sich sein Äußeres von Jahr zu Jahr ändern, eine leuzistische Amsel also kann von Jahr zu Jahr etwas anders aussehen.

 

 

Text und Foto: Wolfram Martin


Oktober: "Meckernde Himmelsziege": Die Bekassine

Kleiner Vogel mit langem Schnabel – die Bekassine.
Kleiner Vogel mit langem Schnabel – die Bekassine.

Das charakteristische „Meckern“ oder „Wummern“ an lauen Frühlingsabenden galt vielen Naturfreunden und Jägern in Wittgenstein als „das romantische Frühlingserlebnis“ schlechthin. Inzwischen scheint dies weitgehend verstummt. Die Rede ist von einem der ehemals interessantesten Vogel unsere Region: Der Bekassine.

Dieser nur 27cm großer Schnepfenvogel mit dem auffallend langen Schnabel gilt in Westfalen als „vom Aussterben bedroht“, hat somit keine Jagdzeit und bevorzugt(e) im gesamten Rothaargebirge als Lebensraum Hochmoore, offene Feucht- und Quellgebiete sowie Nasswiesen. Vor etlichen Jahren noch war ihr meckerndes Balzspiel in Sassenhausen, im Seifen (seifig = moorig) und am Langen Zaun, sowie in Weidenhausen, Stünzel, aber auch in Elberndorf (Erndtebrück), Röspe, Benfe und „in der Österze“ (Berleburg) zu vernehmen und unter heimischen Ornithologen galt sie als „regelmäßiger Brut- und Jahresvogel“ mit über fünfzehn bekannten Brutplätzen allein in Wittgenstein. Inzwischen gilt sie in Westfalen „als nahezu ausgestorben“, da durch Lebensraumzerstörung der Bestand in den letzten 20, 30 Jahren dramatisch zurückgegangen ist und in Wittgenstein wird sie nur noch als „Durchzügler“ geführt.

 

Ihr deutscher Name Bekassine wurde aus dem Französischem (bécassine) übernommen. In der Jägersprache und mundartlich heißt sie aufgrund ihrer meckernden Balzlaute auch Himmelsziege, Himmelsgeiß oder Meckervogel. Früher waren auch Riet- oder Riedschnepfe gebräuchlich. Im Jahr 2013 wurde sie zum „Vogel des Jahres“ gekürt. 

Im Winterhalbjahr halten sich Bekassinen gerne in Flachwasserzonen auf, in denen sie mit ihrem langen „Stecher“ nach Würmern und anderen Kleintieren stochern.
Im Winterhalbjahr halten sich Bekassinen gerne in Flachwasserzonen auf, in denen sie mit ihrem langen „Stecher“ nach Würmern und anderen Kleintieren stochern.

Vom Boden auffliegende Bekassinen geben während ihres rasanten und überaus schnellen Zickzack-Fluges häufig ein heiseres, rauhes, oftmals aneinandergereihtes Ääätsch von sich. Der eigentliche Gesang ist vor allem während der beginnenden Brutzeit zu hören. Er wird von beiden Geschlechtern von einer Warte aus im Flug ausgesandt und besteht aus langen, rhythmischen Rufreihen von zweisilbigen, recht variablen Lauten, die als tick-er oder diep-pe umschrieben werden können. Bei dem sogenannten „Meckern“, das während der Balzflüge vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung zu hören ist, handelt es sich um einen Instrumentallaut der durch die speziell versteiften, äußeren Steuerfedern erzeugt wird. Das balzende Männchen, seltener auch das Weibchen, läßt sich aus größerer Flughöhe im Steilflug herabfallen, wobei die abgespreizten äußeren Steuerfedern im Luftstrom vibrieren und ein summendes Geräusch erzeugen. Das Tremolo wird dadurch erzeugt, dass der Luftstrom in schnellen Abständen von den ebenfalls abgespreizten Flügeln unterbrochen wird. Da der Vogel im Hinabgleiten immer schneller wird, steigt auch die Lautstärke etwas an. Fast alle damaligen Wittgensteiner Brutplätze lagen in Feuchtwiesen mit nicht allzu hoher Vegetation. Typisch waren Wechsel von trockeneren „Bulten“, die gerne als Neststandorte genutzt wurden, und nassen, oft durch Viehtritt geschaffenen Stellen, in denen das Wasser häufig und auch über längere Zeit von 20 bis 20 Zentimeter hoch stand. Außer zur Paarungs- und Brutzeit halten sich Bekassinen gerne in Flachwasserzonen von Sumpfgebieten (wie z.B. in Röspe), an Flüssen oder Bächen, in Überschwemmungsgebieten und in Hochmooren (so es denn noch welche gibt) auf.

 

Bekassine in einem typischen Flachgewässer auf Beutesuche.
Bekassine in einem typischen Flachgewässer auf Beutesuche.

Obwohl in den letzten Jahren und Jahrzehnten im Wittgensteiner Bergland hinsichtlich der Anlage, Erneuerung und Unterhaltung von Sumpf- und Feuchtgebieten dankenswerterweise einiges getan wurde – explizit muß hier beispielgebend die Berleburger Rentkammer genannt werden - scheinen ehemalige oder geeignet erscheinende Bekassinen-Brutbiotope nicht mehr besiedelt zu werden. Möglicherweise liegt es daran, dass die Reproduktionsrate dieser Art bereits so niedrig ist, dass neue oder ehemalige Brutbiotope nicht mehr besetzt werden können. Hier und da werden zwar noch immer Bekassinen-Beobachtungen gemeldet und ihr Balz-Meckern immer mal wieder vernommen, doch gehen Fachleute davon aus, dass dies Einzelbeobachtungen und keine Brutnachweise sind. Dennoch hoffen viele heimische (zweckoptimistische) Vogelfreunde, dass durch einige Feucht- und Quellgebiete in unseren Wäldern der „Vogel mit dem langen Gesicht“ eines Tages wieder als Brutvogel geführt werden kann.

Text und Fotos: Wolfram Martin


September: Ein geschickter Kletterkünstler: Der Kleiber

Besonders zur ersten Balz im zeitigen Frühjahr während der Nachmittagssonne harmoniert das braunorangefarbene Seiten- und Bauchgefieder des Kleibers ideal mit den braunen, kräftigen Knospen der Buchen.
Besonders zur ersten Balz im zeitigen Frühjahr während der Nachmittagssonne harmoniert das braunorangefarbene Seiten- und Bauchgefieder des Kleibers ideal mit den braunen, kräftigen Knospen der Buchen.

Zum Nabu-Aufruf „Stunde der Wintervögel“, in dem alle Teilnehmer zur Beobachtung ihrer Gartenvögel im Winter aufgerufen waren, hat es der Kleiber, ein hübscher Vogel mit orangefarbenen Flanken und einer blaugrauen Oberseite, vor Jahren nur auf Platz 11 gebracht. Was uns hier in Wittgenstein verwundern muß, denn der Kleiber - lat. Sitta europaea - ist im Rothaargebirge ein häufiger, fast allgegenwärtiger Wald- und besonders im Winter auch Gartenvogel, der darüber hinaus auch gerne unsere Wintervogelfutterhäuschen aufsucht. Sein Bestand in Westfalen und insbesondere im Rothaargebirge hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich vergrößert.

Er ist ein lebhafter Vogel, der Laub-, Misch- und Nadelwälder sowie Parks und Obstgärten bewohnt und alte Bäume liebt, an denen er nach Nahrung suchen kann. Reine Fichtenforste mag er aufgrund des Fehlens alter Bäume nicht so gerne. Insbesondere im Bad Berleburger Schloßpark aber auch in Berghäuser Gärten ist er das ganze Jahr über zu beobachten - und vor allem zu hören. Denn er ist ein überaus lautfreudiger Geselle, dessen metallisches „Tuit-tuit-tuit…“ besonders in Erregung oft und weithin zu hören ist. Auch sein Reviergesang, ein lautes, pfeifendes „Wihe-wihe-wihe“, mit einem trillernden „Trürrr“, welches nicht nur im frühen Frühjahr durch Wälder und Parks klingt, ist unverkennbar und kündigt die bevorstehende Paarungszeit an, bei der es schon im zeitigen Frühjahr, wenn die Knospen der Buchen noch sprießen, auch nicht immer gerade leise zugeht.

Kleiber ernähren sich von Insekten, Larven, Puppen und Spinnen, die sie geschickt in der rissigen und borkigen Rinde alter Bäume suchen. Im Winter nehmen sie, wie andere Singvögel auch, gerne Körner und Sämereien auf. Wobei Kleiber, ähnlich wie Tannenhäher auch, Nüsse geschickt in Vertiefungen klemmen und diese dann mittels ihres vergleichsweise kräftigen Schnabels zertrümmern können.

Die sprichwörtliche Kleiber-Geschicklichkeit rührt daher, dass er als einziger Vogel Mitteleuropas mit dem Kopf voran (kopfunter) am Baumstamm hinabklettern kann.

Kleiber sind Höhlenbrüter und benutzen natürliche Baumhöhlen, nehmen aber auch gerne Nistkästen an. Sollten die Bruthöhlenöffnungen für diesen bis zu 14 Zentimeter „kleinen“ Vogel für ihn einmal zu groß erscheinen, ist es auch kein Problem, denn er ist in der Lage, diese einfach passend zuzumauern.

 

Vermenschlichend betrachtet könnte man den Kleiber als geschickten, kontaktfreudigen, kommunikationsfreundlichen Zimmerer- und Maurergesellen beschreiben, dem es nicht nur aufgrund seines schieferblaugrauen Obergefieders bei uns in Wittgenstein ausnehmend gut gefällt. 

Die Bad Laaspher Firma „Kremer&Blöcher“ (sign. RoBe) hat unserem kleinen Baumflitzer schon 2006 ein Denkmal in Form einer kleinen Bronze gewidmet.
Die Bad Laaspher Firma „Kremer&Blöcher“ (sign. RoBe) hat unserem kleinen Baumflitzer schon 2006 ein Denkmal in Form einer kleinen Bronze gewidmet.

Text und Fotos: Wolfram Martin


August: Ringelnatter

: Ringelnatter im Gartenteich – zweifellos ein besonderer Hingucker.
: Ringelnatter im Gartenteich – zweifellos ein besonderer Hingucker.

 

Da staunt der Laie und der Kleingartenbesitzer wundert sich, wenn plötzlich und völlig unerwartet im Mini-Gartenteich eine über einen Meter lange Schlange schwimmt. Anhand der weißen und manchmal auch gelben „Halbmonde“ im Nacken des Tieres unzweifelhaft sofort als heimische Ringelnatter zu erkennen. Mal schlängelt sie sich „Kopf draußen“ mit gespaltener Zunge geradezu anmutig-ballettös an der Oberfläche durchs Nass, dann wiederum taucht sie ab und fegt „jagd-schlängelnd“ durchs Wasser – um dann von Zeit zu Zeit mit einem Molch im Maul wieder aufzutauchen. Mit dem schwimmt sie ins Schilf oder ans Ufer, denn anscheinend kann sie derart Beutetiere nicht im Wasser töten und verschlingen. Ja, bei aller tierischen Grazie darf man nicht vergessen, dass es sich bei dieser Schlange auch um ein „fleischfressendes Monster“ handelt, das aber für Menschen völlig ungefährlich, ja geradezu harmlos ist. 

 

Mit gespaltener Zunge fegt sie graziös durch Wasser.
Mit gespaltener Zunge fegt sie graziös durch Wasser.

 

Die Ringelnatter liebt es feucht und nass und kommt vorzugsweise an stehenden oder fließenden Gewässern vor. Doch wie und warum taucht sie hier in Berghausen mitten im Wohngebiet auf und wo ist sie dann nach etwa 14 Tagen wieder hin? Denn weitere Seen, Weiher, Bäche oder Flüsse sind weit weg. Bei aller tierisch-schönen und aufregenden Begegnung bleiben etliche Fragen offen: Woher kommt sie; wo ist sie hin; kann sie überhaupt in einem Wohnviertel überleben? Wie groß ist der natürliche Lebensraum einer Ringelnatter?

Die Ringelnatter – lateinisch Natrix natrix – kann bis zu zwei Meter lang werden, meistens werden aber kürze Exemplare gesichtet. Die Pupille des lidlosen Auges ist rund; die gespaltene Zunge, die ständig ein- und ausgefahren wird, dient der Orientierung; die weiblichen Tiere legen im Juni/Juli an warmen Orten an die 10 bis 40 Eier, aus denen nach zwei Monaten die Jungen schlüpfen. Ringelnattern ernähren sich von Lurchen, Molchen, Kaulquappen, Fröschen und kleineren Fischen.

Wie alle Reptilien verfallen sie bei entsprechenden Minusgraden in die Winterstarre, aus der sie dann im Frühjahr erwachen, um ausgiebige Sonnenbäder zu nehmen.

 

Diese Schlange konnte ich völlig ungetarnt, sitzend, aus zwei bis drei Meter Entfernung fotografieren. 

 

Ringelnatter mit erbeutetem Molch – auf dieses Foto bin ich besonders stolz.
Ringelnatter mit erbeutetem Molch – auf dieses Foto bin ich besonders stolz.

 

Text und Fotos: Wolfram Martin


Juli: Schlangenknöterich


Diese hübsche und markante „Wurz“ zieht zur Blütezeit zahlreiche Insekten an und sollte in Wittgenstein besonders geschützt werden. 

Der Wiesen- oder Schlangenknöterich, in Wittgenstein laut Belz, Fasel, Peter (Die Farn- und Blütenpflanzen Wittgensteins, 1992) auch „Schlebbe“ genannt und lateinisch Polygonum bistorta bezeichnet, gedeiht bei uns auf feuchten Wiesen, in lichten Auwäldern und auf Grünlandflächen bevorzugt an Böschungen. Früher noch recht häufig und auf feuchten Wiesen in ausgedehnten Beständen, heute eher selten bis vereinzelt vorkommend, steht er schon seit langem in NRW auf der Vorwarnliste der gefährdeten Roten Arten.

Der braune, walzenförmige Wurzelstock ist schlangenförmig gebogen, daher auch der deutsche Name Schlangenknöterich oder Schlangenwurz. Der Wurzelstock wird – oder wurde? – wegen seines ungewöhnlich hohen Gerbstoffgehalts in der Heilkunde verwendet.

Die Blätter dieser Pflanze sind länglich, schmal eiförmig oder lanzettlich und an der Oberseite dunkelgrün, an der Unterseite blaugrün gefärbt. Getrocknet zerfallen die Blätter schnell zu Pulver. In manchen Landschaften – so auch in Wittgenstein – werden diese Blätter frisch geerntet zu Salat oder Gemüse verarbeitet. 

Der Schlangenknöterich mit seiner roten, hübschen Blütenähre erreicht eine Höhe bis zu 80 cm, blüht bei uns von Juni bis August und zieht dann zahlreiche Insekten an. 

 

 

Text und Fotos: Wolfram Martin


Juni: Besenginster

Die leuchtend gelben Blüten ziehen nicht nur die Blicke der Naturfotografen auf sich, sondern sie locken auch viele Insekten an.
Die leuchtend gelben Blüten ziehen nicht nur die Blicke der Naturfotografen auf sich, sondern sie locken auch viele Insekten an.

Leuchtend gelbe Kahlschläge auf Böschungen und Brachflächen kündigten früher zu Anfang bis Mitte Juni den Wittgensteiner Sommer an. Die Ginsterblüte war es, die auch dem größten Wetter- und Klimapessimisten im Ländchen klarmachte, dass es nun Sommer zu sein habe. Gelb und Grün waren (und sind) die Farben des Wittgensteiner Frühsommers.

Heuer, also im Jahre 2025, nach sonnigem und trockenem April, blüht es allenthalben und insbesondere auf den Borkenkäfer- und Windkraft-vorbereitungskahlschlägen ginstergelb. Die Ginsterblüte ist in vollem Gange – drei bis vier Wochen früher als das durchschnittliche „Wittgensteiner Mittel“.

 

 

Drei bis vier Wochen früher als gewöhnlich strahlt Wittgenstein in gold-gelben Ginsterfarben.
Drei bis vier Wochen früher als gewöhnlich strahlt Wittgenstein in gold-gelben Ginsterfarben.

Der Ginster, genauer der Besenginster – Sarothamnus scoparius – ist eine sogenannte Pionierpflanze, die lichte Laubwälder, Böschungen, Wegränder und Kahlflächen liebt und dort weit verzweigte Rutensträucher mit leuchtend gelben Blüten hervorbringt. Diese Rutenbildung war es auch, die die Landbevölkerung dazu brachte, aus den Strauchruten Besen herzustellen, und dies wiederum gab der buschigen Strauchpflanze den deutschen Namen. Die gelben Blüten werden durch Insekten bestäubt – was auch das Herz des Imkers höher schlagen läßt - und daraus erwachsen in der Regel von August bis Oktober/November flache, bewimperte Hülsen mit den darin enthaltenen Früchten. Auf zusagenden Standorten kann sich der Besenginster schnell vermehren, innerhalb kürzester Zeit schier undurchdringliche Dickungen bilden, die nicht selten Tieren wie Fuchs, Dachs, Reh und Wildschwein sicheren Unterschlupf gewähren und zu Zeiten der Blüte das heimische Landschaftsbild prägen. So sehr das blühende Gelb sowohl Landschaftsästheten, Wanderer, Bienenfreunde und Naturfotografen gleichermaßen auch erfreuen mag, so ist diese flächige Buschbildung manchem Waldbauer ein Dorn im Auge, denn nicht selten überwuchern und überwachsen diese dichten Sträucher andere Nutz- und sonstige angepflanzte Bäumchen und hindern sie am entsprechenden Wachstum. Es ist halt doch nicht alles Gold was gelb daherkommt…

 

Alle Kahlflächen ginstergelb.
Alle Kahlflächen ginstergelb.

Text und Fotos: Wolfram Martin


Mai: Die größte unter den Wildtauben: Die Ringeltaube

Obwohl es Ringel- und keine Turteltauben sind, wird auch bei ihnen schon mal turtelnd gekuschelt.
Obwohl es Ringel- und keine Turteltauben sind, wird auch bei ihnen schon mal turtelnd gekuschelt.

Der viel zu milde, geradezu frühlingshafte Januar bringt auch das Liebesleben so mancher Vögel durcheinander. So hallt bereits das Balzklopfen der Schwarzspechte durch Wittgensteins Wälder und das rucksende, dumpfe Gurren des Ringeltäubers verrät die Balz der bei uns heimischen und häufigen Ringeltaube.

Der markante weiße Flügelbug, der besonders im Fluge gut zu erkennen ist und der ebenfalls weiße, ringförmige Halsfleck gaben dieser größten und häufigsten Wildtaube Europas ihren Namen. Auch mundartlich deutet alles auf diese Merkmale hin: In Wittgensteiner Mundart heißt sie Rängeldöwwe, im Westfälischen nennt man sie Ringeldüwe und im westlichen Ruhrgebiet Rengeldauf oder Rengeldauwe. Der biologisch-lateinische Name ist Columba palumbus.

 

Beim durchaus beeindruckenden Balzflug fliegt der männliche Vogel steil in die Höhe, klatscht dann laut und weithin hörbar mit den Schwingen und segelt daraufhin mit ausgebreiteten Flügeln abwärts. Häufig verneigt sich das balzende Männchen vor dem Weibchen, schnäbelt mit ihm, füttert es aus dem Kropf und turtelt recht verliebt um die Angebetete herum. Auf Bäumen und in höheren Büschen baut die Ringeltaube – wie fast alle anderen Taubenarten (außer der Hohltaube) auch – ein eher schlampiges und häufig sogar durchsichtiges Nest, in dem beide Partner die in der Regel zwei reinweißen Eier 16 bis 18 Tage lang bebrüten. Die Jungvögel verlassen nach etwa vier Wochen das Nest und sind mit fünf Wochen voll flugfähig. Ringeltauben brüten zwei- bis dreimal pro Jahr.

Sie ist unsere auffälligste und größte Wildtaube: Die Ringeltaube
Sie ist unsere auffälligste und größte Wildtaube: Die Ringeltaube
Obwohl es Ringel- und keine Turteltauben sind, wird auch bei ihnen schon mal turtelnd gekuschelt.
Obwohl es Ringel- und keine Turteltauben sind, wird auch bei ihnen schon mal turtelnd gekuschelt.

Im Hebst und Frühjahr bilden Ringeltauben manchmal sehr große Schwärme von bis zu mehreren tausend Exemplaren, die besonders in Gemüseanbaugebieten des Münsterlandes zu erheblichen Schäden führen können. Auch hier in Wittgenstein sind schon Schwärme bis zu 150 Tieren beobachtet worden.

 

Ringeltauben dürfen in Nordrhein-Westfalen vom 1.11. bis 20.02. bejagt werden und in NRW werden ziemlich regelmäßig pro Jahr an die 159.000 Tiere erlegt. Dies geschieht nicht nur zur Schadenabwehr in der Landwirtschaft, sondern darüber hinaus stellen Taubenbrüstchen eine äußerst leckere, gesunde und schließlich bodenständige Köstlichkeit dar.

 

Bei diesen ungewöhnlich milden Frühlingstemperaturen kann man schon vereinzelte Balzflüge der Ringeltauben beobachten.
Bei diesen ungewöhnlich milden Frühlingstemperaturen kann man schon vereinzelte Balzflüge der Ringeltauben beobachten.

 

 

Info-Kasten

Neben der bei uns häufigsten Ringeltaube kommen in Wittgenstein weiterhin vor: Die überwiegend im Wald lebende Hohltaube; die in letzter Zeit immer häufigere Türkentaube; und als rarer Durchzügler die wärmeliebende Turteltaube

Text und Fotos: Wolfram Martin


April: Ein wahres Wunderkraut in unseren Wäldern: Bärlauch

An manchen Stellen bedecken die Blätter des Bärlauchs den Boden fast völlig – da macht die Bärlauchernte Spaß.
An manchen Stellen bedecken die Blätter des Bärlauchs den Boden fast völlig – da macht die Bärlauchernte Spaß.

 

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte 2011 zum „Internationalen Jahr der Wälder“ ausgerufen. Dies haben wir in verschiedenen Medien redaktionell aufgearbeitet – so jetzt auch hier. Dabei steht uns nicht so sehr das Anliegen des Waldbesitzers oder Försters im Sinn, sondern mit diesem Beitrag in unserer Flora-Fauna-Serie wollen wir auch den Blick schärfen und die Sensibilität erhöhen mit dem Ziel, sowohl „die kleinen Dinge des Waldes“ als auch die großen Themen des Holzes und der Pflanzen in einen persönlichen, durchaus subjektiven Zusammenhang zu sehen.

Hier eine Pflanze, die im Norden unseres Landes selten, im Süden häufig und in Wittgenstein nicht überall vorkommt: dem Bärlauch.

Gerade jetzt, da das Laub der Buchen noch nicht ausgeschlagen, bedecken die satt-grünen Blätter des Bärlauchs den Boden an manchen Stellen völlig, ja, der Wald ist erfüllt mit Knoblauchduft. Und diese Knoblauchähnlichkeit gab dem Bär- oder Bärenlauch auch seine weiteren, oft mundartlichen Namen: Knoblauchspinat, Waldknoblauch, Hexenzwiebel, Zigeunerlauch oder Waldherre.

Bärlauch bevorzugt sehr nährstoffreiche und besonders im Frühling auch etwas sickerfreudige Böden und man findet ihn deshalb bei uns in Wittgenstein nur in lichten, oft „schluchtigen“ Buchenbeständen. Im zeitigen Frühjahr treibt er zunächst seine Blätter, später dann die weißen, doldigen Blüten aus – doch mit Schließung der Laubkrone ist der ganze Bärlauchzauber auch schon wieder vorbei. Diese Zwiebelpflanze, die nicht wie beim Knoblauch aus einer Zehe, sondern nur aus den beiden Grundteilen der beiden Laubblätter besteht, vermehrt sich durch von Ameisen verschleppten Samen.

Früher galt Bärlauch nicht nur als ein altbekanntes und geschätztes Gemüse, sondern war insbesondere auch als Gewürz- oder Heilpflanze in fast allen Haushalten zu finden. Dann geriet der „Ersatzknoblauch“ in Vergessenheit, um heute eine wahre Renaissance zu erleben: Als Gewürz zu Saucen und Suppen, aber auch als Salat oder Pesto und Beilage zu Wildgerichten aller Art. Der Eindruck mag täuschen, doch uns fällt auf, daß Bärlauch in Wittgenstein unter den Einheimischen wenig, bei den „Zugelöfenen“ anscheinend hohe Wertschätzung genießt.

Die jungen Blätter des Bärlauchs können mit denen der Maiglöckchen (Vorsicht: giftig!) verwechselt werden.

Bärlauch steht zwar nicht unter Naturschutz, doch ist das Sammeln innerhalb von Naturschutzgebieten grundsätzlich nicht gestattet, wie auch das gewerbsmäßige „Ernten“ einer behördlichen Genehmigung bedarf. Das Sammeln für den Eigenbedarf ist gestattet, doch sollte man als behutsam vorgehender Waldbesucher immer nur ein Blatt pro Pflanze ernten und auf gar keinen Fall die Zwiebel ausgraben.

 

Da im April oder Anfang Mai sowohl junge Wildschweine als auch Rehböcke geschossen werden dürfen, freuen sich Wildgourmets jetzt schon auf „Rehmedaillons mit Bärlauchsauce“ oder „Wildschweinrücken in Bärlauchkruste“. 

 

Text und Foto: Wolfram Martin


März: Schneeglöckchen

Manch Natur- und Blumenfreund legt sich bäuchlings vor die Schneeglöckchen, um sie aus den Nähe zu bewundern.
Manch Natur- und Blumenfreund legt sich bäuchlings vor die Schneeglöckchen, um sie aus den Nähe zu bewundern.
Mühsam kämpfen sich die kleinen Glöckchen durch den Schnee.
Mühsam kämpfen sich die kleinen Glöckchen durch den Schnee.

„Schneeglöckchen, weiß Röckchen…“ ist man geneigt zu singen, wenn man die hübschen, weißen Blümchen sich durch den Schnee kämpfen sieht. Genau wie die Märzenbecher – über die wir ja hier schon berichtet haben – gehören die Schneeglöckchen – lat. Galanthus nivalis – zu den absoluten Frühblühern und kündigen so den nahen Frühling an. Bei uns in Wittgenstein blühen die  Schneeglöckchen von Februar bis April und wachsen in Laubmischwäldern auf nährstoffreichen Böden, aber auch in so manchen, leicht verwilderten Gärten.

Diese hübschen Frühblüher haben nur zwei blaugrün bereifte Blätter, die inneren Blätter in den Blüten sind deutlich kürzer als die äußeren und an der Spitze grün.

So mancher Hobby-Poet und „Dichterfürst“ hat sich schon den Schneeglöckchen gewidmet, so auch unsere bekannte Wittgensteiner Dichterin Frieda Claudy (1880-1946) und so endet ihr Gedicht über das Schneeglöckchen:

… Du zierlich‘ Blümlein, lieblich, zart und fein,

Dein holder Anblick Aug‘ und Herz entzückt,

Schneeglöckchen, läute du den Frühling ein.

 

 

In Wittgenstein im zeitigen Frühjahr kein seltener Anblick.
In Wittgenstein im zeitigen Frühjahr kein seltener Anblick.

Text und Fotos: Wolfram Martin


Februar: Seit Wochen im Berghäuser Winterquartier:

Die Ringdrossel

Eine weibliche Ringdrossel im Berghäuser Winterquartier.
Eine weibliche Ringdrossel im Berghäuser Winterquartier.

Seit Anfang Januar 2025 ist bei uns im Garten ein Vogel zu Gast, den es eigentlich um diese Zeit bei uns gar nicht geben dürfte: Die Ringdrossel (lat.Turdus torquatus). Gemäß älterer heimischer Fachliteratur wird dieser Vogel als „regelmäßiger Durchzügler“ geführt. Laut überregionaler Fachliteratur bewohnt die Ringdrossel höhere Gebirge wie z.B. die Alpen, die Vogesen, den Schwarzwald, den Bayerischen Wald und den Böhmerwald. Das Rothaargebirge wird nicht erwähnt. Und sie soll im Mittelmeerraum und im Iran überwintern. Somit beziehen sich die meisten heimischen Beobachtungsmeldungen auf den Spätherbst und das zeitige Frühjahr. Erhebt sich die Frage: Aus welchem der erwähnten Brut- und Vorkommensgebiete stammt dieser Vogel und warum hält er sich bei uns im Garten auf anstatt – wie erwähnt – im Mittelmeerraum zu überwintern?

 

Laut „Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens“ (Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft e.V. von 2014) ist die Ringdrossel „kein sicherer Brutvogel“. Im Jahr 2009 gab es einen Brutverdacht im Hochsauerlandkreis. In Hessen gilt dieser Vogel als ausgestorben; und die nächsten Brutvorkommen soll es im Harz und in den Ardennen geben. Der erste und direkte Brutnachweis für NRW geht auf das Jahr 1993 zurück und bezieht sich auf das Gebiet um Altastenberg. 

Männliche Ringdrossel auf dem Zug – Zwischenstation auf einer Singwarte in unserem Garten.
Männliche Ringdrossel auf dem Zug – Zwischenstation auf einer Singwarte in unserem Garten.

Möglicherweise – aber dies ist nur ein persönlicher Verdacht – handelt es sich bei diesem Vogel in unserem Garten um einen Brutvogel aus dem Hochsauerland, der in tieferen Lagen des Rothaargebietes überwintert. Auf alle Fälle sollte man diese unbewiesene Annahme ernsthaft untersuchen und im Auge haben.

Die Ringdrossel ähnelt etwa der Amsel, hat aber auf der Brust einen weißen, halbmondartigen Fleck, der beim Männchen hell und scharf abgegrenzt ist, beim Weibchen hingegen etwas blasser und verschwommen wirkt. Bei Erregung ruft die Ringdrossel hart „teckteckteck“ was sich eher metallen gegenüber den Erregungsrufen der Amsel anhört.

 

Die Ringdrossel ernährt sich vor allem von Würmern, Insekten, Spinnen und Beeren. Bei uns im Garten führt sich dieser Vogel sehr dominant auf und verjagt die zahlreichen Amseln fast schon aggressiv. Und er scheint leicht weiche oder angefaulte Apfelreste besonders zu mögen. 

Text und Fotos: Wolfram Martin


Januar: Klein, leise, unscheinbar: die Haubenmeise

Für den Vogelbeobachter und Tierfotografen ist die hübsche Haubenmeise in unseren Gärten immer ein attraktives Motiv.
Für den Vogelbeobachter und Tierfotografen ist die hübsche Haubenmeise in unseren Gärten immer ein attraktives Motiv.

Dem musikalisch oder akustisch Kundigen verrät ein zartes, zirpendes, manchmal schnurrendes Zwitschern im Nadelwald die Anwesenheit eines kleinen, unscheinbaren, unauffällig gefärbten, aber dennoch hübsch-aparten Vogels. Die Haubenmeise. Mit 10,5 bis 12 Zentimeter Körperlänge ist die Haubenmeise eine unserer kleineren Meise.

Obwohl sie nur wenige Farben im Gefieder aufzuweisen hat, ist sie aber von der Musterung und der Gestalt her eine ausnehmend hübsche Erscheinung. Besonders die schwarz und weiß geschuppte dreieckige Federhaube – die dem Vogel ihren Namen gab – ist unverkennbar, insbesondere auch deshalb, weil sie immer sichtbar ist, aber verschieden hoch aufgerichtet werden kann.

Im Vergleich zu den anderen Meisenarten hat die kleine Haubenmeise eher wenig an musikalischem Repertoire zu bieten, denn sie kennt eigentlich nur zwei Motive: Ein leises, hohes „Ziih“, gefolgt von einem halblautem, trillerndem „Gürrr“ oder „Girrr“. Bei Erregung oder Gefahr ist auch schon mal ein lautes „Zigürrr gürrrr…“ zu hören.

 

Haubenmeisen gelten in Westfalen als „nicht gefährdet“ und „weit verbreitet“, sind aber überwiegend in Nadelwäldern häufig anzutreffen, wobei ihr Vorkommen nicht so strikt an Fichtenwälder gebunden ist, wie das ihrer Schwester, der Tannenmeise. Bei uns im Rothaargebirge und Wittgenstein gilt sie als typischer Vertreter des Fichtenwaldes. 

Auch von vorn ein attraktiver Meisenvogel.
Auch von vorn ein attraktiver Meisenvogel.

Ihr Nest baut die Haubenmeise – die der Lateiner Parus cristatus nennt – sowohl in natürlichen als auch künstlichen Nisthöhlen und darüber hinaus zimmert sie sich gelegentlich schon mal eine eigene Höhle an vor allem alten, morschen Bäumen und polstert dieses mit Wolle, Halmen, Bast und Federn aus. Das Fehlen von natürlichen Bruthöhlen, beziehungsweise der Mangel an alten, morschen Bäumen hat unmittelbar Einfluß auf die Bestandsdichte dieser Vögel. Mit einem Trick soll man die Haubenmeisen dazu bringen (können), einen künstlichen Nistkasten zu beziehen, indem man den Kasten mit weicherem Holzmaterial füllt, so dass ihnen das Zimmern anscheinend leichter fällt.

Haubenmeisen brüten sehr zeitig im Frühjahr, nicht selten ein bis zwei Wochen vor allen anderen Meisenarten. Die Eier sind auf weißlichem Grund rötlichbraun gefleckt und die Jungvögel werden von beiden Elternteilen mit Insekten in allen Entwicklungsstadien und Spinnen gefüttert.

 

Zur Spätherbst- und Winterzeit suchen auch die Wittgensteiner Haubenmeisen gerne Gärten und Friedhöfe auf und lassen sich auch hin und wieder am Futterhaus sehen, wo sie aber ganz augenfällig im anwesenden Meisen-, Spatzen- und Finkenvolk eine eher zurückhaltende oder untergeordnete Rolle einnehmen. 

Portrait der hübschen, kleinen Meise.
Portrait der hübschen, kleinen Meise.

 

 

Infokasten

Heimische Meisen

Neben den Haubenmeisen kommen in unseren Wäldern noch die Blau- und Kohlmeisen, die Sumpf- und Weidenmeisen, sowie die Tannen- und Schwanzmeisen vor. Beutel- und Bartmeisen bevorzugen andere Lebensräume und sind bei uns – wenn überhaupt – nur als seltene Durchzügler zu sehen. 

Text und Fotos: Wolfram Martin

Kontakt

Verein für Heimat, Kultur und Freizeitgestaltung e.V. Berghausen

 

Info@Berghausen-Edertal.de

 

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